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Wenn die Liebe zum Radsport tödlich wird


Die nach dem Tod von Radprofi Michael Goolaerts durchgeführte Obduktion ergab, dass der belgische Sportler während des Rennens einen Herzinfarkt erlitt, in Folge dessen stürzte und nicht an den Folgen des Sturzes selbst starb. Für Michael Goolaerts macht dies letztlich keinen Unterschied. Und entlastet dieses Obduktionsergebnis den Radsport in irgendeiner Weise? Einmal mehr entfachte der Tod des Sportlers eine kritische Diskussion über aktuelle Wettkampfbedingungen.

Zwischen Sensationsgier und Sicherheit

2003 stürzte Andrei Kivilev aus Kasachstan und starb an den Folgen seiner Kopfverletzungen, die er sich bei dem Sturz zugezogen hatte. UCI, der internationale Radsportverband, zog daraus Konsequenzen und führte die Helmpflicht ein. Die Frage ist, ob erst immer Menschen zu Tode kommen müssen, bis gehandelt wird. Beim Radsport ist es tendenziell so, dass schwere Unfälle und Gesundheitsschäden der Sportler abgewiegelt werden. Zu viel Geld – und wie viel Blut? – klebt an den schmalen Reifen. Die heutige Zeit tendiert eher zu individueller Over-Protection in allen Lebensbereichen. Nahezu jedes Kleinkind wird bereits für sein Laufrad mit dicker Schutzmontur ausgestattet. Da sollte man erwarten, dass jeder Zuschauer mit normalem Menschenverstand ein Störgefühl hat, wenn er die Radfahrer, ausgestattet mit leichter arm- und beinfreier Sportbekleidung, Abfahrten mit Tempo 100 km/h nehmen sieht. Wer auf Abfahrten steht, ist beim Skisport besser aufgehoben. Wann hört dieser Abfahrtswahnsinn im Radsport auf? Organisatoren und Tourenplaner wälzen die Verantwortung gerne auf die Fahrradindustrie ab oder die Radsportler selbst. Es heißt, erst die neuen Rahmenkonstruktionen und der Materialwechsel auf Karbon ermögliche diese hohen Geschwindigkeiten. Die offizielle Gewichtsuntergrenze eines Tourenrads beträgt 6,8 Kilogramm. Selbstverständlich ist jeder Sportler bemüht, diese Grenze nicht zu überschreiten. Eine einfache Möglichkeit bestünde darin, diese Grenze einfach höher anzusetzen, zumindest bei einigen Touren, oder diese Abschuss-Touren schlicht abzusetzen.

Hat sich das Fahrverhalten tatsächlich verändert?

Die klassische Einwand-Vorwegnahme lautet: Jeder Radsportler wisse um das Risiko und nehme es billigend in Kauf. Fahrer würden heute tendenziell mehr auf Risiko fahren und rücksichtsloser in gefährliche Situationen einsteigen. Auch hierbei könnten entschärfte Wettkampfbedingungen Abhilfe schaffen.

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